
Feuilleton vom 14.10.2002Auf den Spuren einer spektakulären
Passauer Diebstahlserie
Zweiter Teil: "In den Schatten einer alten Stadt". Der Film von 1952
aus dem Stadtarchiv zeigt das Passau der 50er und erinnert an
Geschichtsunterricht in der Schule. Übergangslos fügen sich die letzten beiden
Teile im Wechsel an. Wir sind bei der Lesung Wolfgang Sréters, der die
Ereignisse als Kind miterlebt und den Fall literarisch aufgearbeitet hat. In
seinem Roman "Der falsche Fräser" (lichtung verlag Viechtach) sind
die Einbrüche der rote Faden durch die Geschichte von Paula, ihrem Mann
Leopold, ihrem Bruder Robert und dem Café Nizza. Ruhig liest Sréter kurze
Passagen, nur manchmal hebt er seine Stimme, wenn er seine Figuren zu Wort
kommen lässt. Die Zuhörer lauschen gebannt. Ab und zu entlockt ihnen der fein
gestreute Humor ein Lachen, ansonsten Stille.
Da steigen dann "Unsere Lieblinge" ein. Alex Haas am Kontrabass und
Stefan Noelle am Minimalschlagzeug garnieren die Lesung mit Schlagern und
Jazzigem aus den 50er und 60er Jahren. Der eine zupft rhythmisch am Bass, der
andere streicht mit den Besen übers Schlagzeug, sie spielen Luft-Mundharmonika,
erfüllen den Raum mit ihren Stimmen oder singen leise und hingebungsvoll. Alles
scheint leicht und improvisiert, doch jeder Ton sitzt. Es erinnert an
Musikkabarett. Doch der Humor kommt aus den Liedern und dem Miteinander auf der
Bühne. Fast überrundet das Duo die Lesung und wird zur eigentlichen
Veranstaltung. Aber nur fast. Sie sind das ideale Wechselspiel zu Wolfgang Sréter
an der Prosa. Silke Lorenz
© Passauer Neue Presse